Michael Heisch, Komponist, zeitgenössische Musik, Neue Musik


 
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Michael Heisch
* 20. Mai 1963

Michael Heisch lebt und arbeitet als freier Komponist und Publizist in Zürich und ist in verschiedenen Performance- und Musikensembles als Kontrabassist tätig, wobei er häufig mit Musikern und Künstlern wie dem Gitarristen und Komponisten Luigi Archetti, den Schlagzeugern Sebastian Hofmann und Martin Lorenz und dem Schriftsteller/Performance-Künstler M. Vänçi Stirnemann zusammenarbeitet. In der Vergangenheit hat er darüber hinaus in zahlreichen Rock- und Jazz-Formationen mitgewirkt.

Er ist Mitglied des Komponistenkollegiums des »Schweizerischen Zentrums für Computermusik«, Vorstandsmitglied der IGNM Zürich und beim Forum für zeitgenössische Musik verlagsunabhängiger Komponisten (ADESSO). Auszeichnungen erhielt er u.a. 1998 beim internationalen Wettbewerb »Luigi Russolo« (für seine elektroakustische Musik für Tonband »Edison«, 1998). 2004 wurde er für den »Bodensee-Kunstpreis« in Schaffhausen nominiert.

In Michael Heischs Komponieren spielt die Auseinandersetzung mit der Sprache und mit der Semantik von Klängen eine zentrale Rolle. Sprache wird in diesem Kontext einerseits als Medium für wortgebundene Inhalte, andererseits aber auch in metaphorischem Sinne als Ordnungskriterien zur Systematisierung auditiver Reize verstanden. Der Einsatz von Klängen, die in einem assoziativen Verhältnis zur Realität stehen, gehört zum Grundbestand von Heischs Arbeit. In seinen Tonbandkompositionen Eisenfresser (1996), Theut I (1996) und Edison (1998) bildet jeweils die quasi-dokumentarische Präsentation charakteristischer »objéts trouvés« (wie Fabrik- und Atemgeräusche oder Grammophonklänge) den Ausgangspunkt.

Diese Klänge werden durch elektronische Manipulationen entsemantisiert und anschließend als Grundlage zur Schaffung neuer, auf Klang- und Rhythmusorganisationen basierender Bedeutungs- und Bezugssysteme benutzt. Ähnliche Verfahren wendet Heisch auch in zu rich für Stimme, Violoncello, Klavier und Turntables (Heinrich Glarean und M. Vänçi Stirnemann, 2003) und in kykloi für Schlagzeuger mit Grammophon, Turntables und Laptop (2004) an, indem er vokale und instrumentale Klangerzeuger mit verschiedenen historischen Aspekte medialer Klangproduktion konfrontiert.

Eine andere Beziehung zur Sprache schafft Heisch in seinem Bruillage/Bruitage-Zyklus (seit 1999), der sich in diversen Solokompositionen – darunter Proteus für Kontrabass (1999; rev. 2002), Hades für Klavier (2000, rev. 2003), Eumäus für SchauspielerIn (2003) und Penelope für Altflöte (2004) – in Analogie zu den Kapiteln aus dem Roman »Ulysses« von James Joyce den Prozessen musikalischer Sprachfindung widmet. Konzeptuell sind diese Werke, die auch parallel zueinander aufgeführt werden können, an die sogenannten »Artist Trading Cards« – nicht-kommerzielle, individuell hergestellte Kunst-Tauschkarten im Format 6,4 x 8,9 cm – gebunden. Jede Komposition besteht aus maximal 90 Karten, aus denen der Interpret das Material für eine Aufführung zusammenstellt, wobei jede Karte eine Partiturseite von zehn Sekunden Dauer repräsentiert.

Werke wie der auf Texte von M. Vänçi Stirnemann komponierte Zyklus Night Bites für Streichquartett und SprecherIn (2000), Chinese Cookies für Saxophonquartett und SprecherIn (2001), Kitchen Accidents für Schlagzeugquartett und SprecherIn (2002) und Best before: see Lid für zwei Klaviere, Cembalo, Celesta und Tonband (2002) setzen sich schließlich durch eine musikalische Inszenierung der Texte mit konkreten Sprachinhalten auseinander, wobei sich Wort und Musik gegenseitig ironisch kommentieren. Weitere Anregungen für Heischs Komponieren entstammen seiner Beschäftigung mit Typographie sowie seinem Interesse für Jazz- und Rockmusik.

So basieren die Fünf Serifen für Streichtrio (1997) und die Tonband-Miniaturen »…stumpffeine Linie von Geviertlänge…« (seit 1999) auf mathematischen Operationen, die von den Spezifika typografischer Schriftdarstellung abgeleitet sind, während im Klavierstück Im Bauch des Türken (2004) Anklänge an die Musik der Popgruppe »Kraftwerk« verwendet werden. STEFAN DREES, 2005, mit freundlicher Genehmigung, »KdG – Komponisten der Gegenwart«


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