Michael Heisch lebt und arbeitet als freier Komponist und Publizist
in Zürich und ist in verschiedenen Performance- und Musikensembles
als Kontrabassist tätig, wobei er häufig mit Musikern und
Künstlern wie dem Gitarristen und Komponisten Luigi Archetti,
den Schlagzeugern Sebastian Hofmann und Martin Lorenz und dem Schriftsteller/Performance-Künstler
M. Vänçi Stirnemann zusammenarbeitet. In der Vergangenheit
hat er darüber hinaus in zahlreichen Rock- und Jazz-Formationen
mitgewirkt.
Er ist Mitglied des Komponistenkollegiums des »Schweizerischen
Zentrums für Computermusik«, Vorstandsmitglied der IGNM
Zürich und beim Forum für zeitgenössische Musik verlagsunabhängiger
Komponisten (ADESSO). Auszeichnungen erhielt er u.a. 1998 beim internationalen
Wettbewerb »Luigi Russolo« (für seine elektroakustische
Musik für Tonband »Edison«, 1998). 2004 wurde er für
den »Bodensee-Kunstpreis« in Schaffhausen nominiert.
In
Michael Heischs Komponieren spielt die Auseinandersetzung mit der
Sprache und mit der Semantik von Klängen eine zentrale Rolle.
Sprache wird in diesem Kontext einerseits als Medium für wortgebundene
Inhalte, andererseits aber auch in metaphorischem Sinne als Ordnungskriterien
zur Systematisierung auditiver Reize verstanden. Der Einsatz von
Klängen,
die in einem assoziativen Verhältnis zur Realität stehen,
gehört zum Grundbestand von Heischs Arbeit. In seinen Tonbandkompositionen
Eisenfresser (1996), Theut I (1996) und Edison (1998) bildet jeweils
die quasi-dokumentarische Präsentation charakteristischer »objéts
trouvés« (wie Fabrik- und Atemgeräusche oder Grammophonklänge)
den Ausgangspunkt.
Diese Klänge werden durch elektronische Manipulationen
entsemantisiert und anschließend als Grundlage zur Schaffung
neuer, auf Klang- und Rhythmusorganisationen basierender Bedeutungs-
und Bezugssysteme benutzt. Ähnliche Verfahren wendet Heisch
auch in zu rich für Stimme, Violoncello, Klavier und Turntables
(Heinrich Glarean und M. Vänçi Stirnemann, 2003) und
in kykloi für
Schlagzeuger mit Grammophon, Turntables und Laptop (2004) an, indem
er vokale und instrumentale Klangerzeuger mit verschiedenen historischen
Aspekte medialer Klangproduktion konfrontiert.
Eine andere Beziehung
zur Sprache schafft Heisch in seinem Bruillage/Bruitage-Zyklus (seit
1999), der sich in diversen Solokompositionen – darunter
Proteus für Kontrabass (1999; rev. 2002), Hades für Klavier
(2000, rev. 2003), Eumäus für SchauspielerIn (2003) und
Penelope für Altflöte (2004) – in Analogie zu den
Kapiteln aus dem Roman »Ulysses« von James Joyce den
Prozessen musikalischer Sprachfindung widmet. Konzeptuell sind diese
Werke, die auch parallel
zueinander aufgeführt werden können, an die sogenannten »Artist
Trading Cards« – nicht-kommerzielle, individuell hergestellte
Kunst-Tauschkarten im Format 6,4 x 8,9 cm – gebunden. Jede
Komposition besteht aus maximal 90 Karten, aus denen der Interpret
das Material
für eine Aufführung zusammenstellt, wobei jede Karte eine
Partiturseite von zehn Sekunden Dauer repräsentiert.
Werke wie
der auf Texte von M. Vänçi Stirnemann komponierte
Zyklus Night Bites für Streichquartett und SprecherIn (2000),
Chinese Cookies für Saxophonquartett und SprecherIn (2001),
Kitchen Accidents für Schlagzeugquartett und SprecherIn (2002)
und Best before: see Lid für zwei Klaviere, Cembalo, Celesta
und Tonband (2002) setzen sich schließlich durch eine musikalische
Inszenierung der Texte mit konkreten Sprachinhalten auseinander,
wobei sich Wort
und Musik gegenseitig ironisch kommentieren. Weitere Anregungen für
Heischs Komponieren entstammen seiner Beschäftigung mit Typographie
sowie seinem Interesse für Jazz- und Rockmusik.
So basieren
die Fünf Serifen für Streichtrio (1997) und die Tonband-Miniaturen »…stumpffeine
Linie von Geviertlänge…« (seit 1999) auf mathematischen
Operationen, die von den Spezifika typografischer Schriftdarstellung
abgeleitet sind, während im Klavierstück Im Bauch des Türken
(2004) Anklänge an die Musik der Popgruppe »Kraftwerk« verwendet
werden. STEFAN DREES, 2005, mit freundlicher Genehmigung, »KdG – Komponisten
der Gegenwart«