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AKTUELL:
© Neue Zürcher Zeitung; 03.07.2006; Nummer 151; Seite 31
Zürcher Kultur
Musik - Raum - Farbe
Das Ensemble Cattrall im Rigiblick
tsr. Unter den in Zürich ansässigen Formationen für zeitgenössische Musik fällt das 1998 gegründete Ensemble Cattrall durch eine ausgefallene Kernbesetzung auf. Das Repertoire für die Flötistin Vera Fischer, den Gitarristen Mats Scheidegger, den Saxophonisten Rico Gubler, den Bratscher Patrick Jüdt und den Schlagzeuger Guy Frisch ist folglich nicht riesengross. Das Ensemble macht jedoch aus der Not eine Tugend und arbeitet mit zahlreichen Komponisten zusammen, deren Werke es uraufführt.
Am Samstag hat das Ensemble Cattrall im Theatersaal Rigiblick ein dreiteiliges Konzert gegeben, in dessen Mittelpunkt der Zürcher Komponist Gary Berger stand. In enger Zusammenarbeit mit ihm hat es auch Werke zweier iberischer Komponisten dargeboten, die in einer engen Beziehung zu Berger stehen. Ein Merkmal des Schaffens von Gary Berger, der an der Hochschule Musik und Theater Zürich als Dozent für Live-Elektronik wirkt, ist das Ineinandergehen von Musikalischem, Räumlichem und Farblichem. Vom Mischpult aus steuert der Komponist die Uraufführung von «Leuchtstoff», bei dem die anfangs erklingenden realen Töne von Altsaxophon, Viola und Gitarre zusehends von einer Tonbandmusik unterwandert werden, die aus vier Lautsprechern dringt. In der Komposition «Mâts» werden die mannigfaltigen Saxophontöne Rico Gublers einerseits durch live-elektronische Eingriffe verfremdet, andererseits von einer Videoprojektion Karin Leuenbergers begleitet. Die flimmernden geometrischen Figuren auf der Leinwand und das kreisende Spiel des Instruments gehen eine spannende Verbindung ein.
Die Portugiesin Isabel Soveral schreibt eine Musik, die Berger sehr nahesteht. Das vom Ensemble unter der Leitung von Marc Kissoczy uraufgeführte Quintett «Trama» zelebriert ebenfalls die kräftige Geste, den Spaltklang und das Auseinanderstreben der melodischen Elemente, lässt aber vereinzelt immer wieder Konvergenzen zu. Leiser, introvertierter klingt «Corde duplici» des Spaniers José Luis Torá. Räumliches ist hier gleich doppelt zu erleben: in den durch Lautsprecher verstärkten Gitarrentönen und in den Echos der weit voneinander entfernten übrigen Instrumente.
Zürich, Theater Rigiblick, 1. Juli.
© Tages-Anzeiger; 03.07.2006; Seite 42
Kultur
Diskrete Klänge, optische Reize
Das Ensemble Cattrall Zürich präsentierte am Samstag im Theater Rigiblick Werke von Gary Berger.
Am «E-Tag» - so der Titel des eintägigen Festivals um Gary Berger mit drei Konzerten - war zu erleben, wie unterschiedlich Elektronik in der zeitgenössischen Musik eingesetzt werden kann. In diskreter Weise dient elektronische Verstärkung etwa dazu, ein Instrument aus dem Ensemble hervorzuheben. So kamen Mats Scheideggers leise pulsierende Gitarrenklänge in José Luis Torás «Corde (L'Einschnitt) duplici» von 2005 (UA) zur Geltung. Umgekehrt sind die Verhältnisse in Isabel Soverals «Mémoires d'Automne» von 2005, in dem das Bassflötenspiel von Vera Fischer in der Ballung von elektronischen Klängen fast unterzugehen drohte.
Am spannendsten wurde die Interaktion von elektronischem und akustischem Instrument in «Improvisation»: Live spinnt Gary Berger mit elektronischen Mitteln Rico Gublers spieltechnisch raffinierte Saxofonimprovisationen weiter, er rhythmisiert und verdichtet sie. Eine zusätzliche, optische Ebene liefert Philipp Oettlis einfache Videoinstallation, welche die beiden Musiker aus zwei Blickwinkeln bei der Arbeit zeigt.
Komplexer ist der Einsatz von optischen Reizen bei Bergers «mâts III» (Masten): Das Stück wurde 2001 in Basel uraufgeführt und 2004 um eine Videoinstallation von Karin Leuenberger ergänzt. Die Installation zeigt die durch Lamellen strukturierte Fassade von Herzog & De Meurons Stellwerk des Basler SBB-Bahnhofs in verschiedenen Verfremdungen, rhythmisch präzise geschnitten auf Gublers/Bergers elektronisch bearbeitete Saxofonklänge.
Zwei weitere eintägige Festivals sind geplant: Am 16. September 2006 wird das Ensemble Cattrall den Tessiner Komponisten Nadir Vassena porträtieren; im nächsten Jahr stehen Werke von Walter Feldmann im Zentrum des Interesses.
Olivier Senn
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